Spirituskocher MYOG-Bauanleitung

So bauen Sie einen Dosenkocher

von Stefan Kuhn

Ein Dosenkocher ist leicht und effizient, das Kochen mit Spiritus eine saubere Sache. Diese Anleitung beschreibt den Bau eines Spirituskochers, der nach dem Trangia-Prinzip (Open Jet Stove) arbeitet.

Der hier beschriebene Dosenkocher ist mit einem (optionalen) Beschleuniger-Ring ausgestattet. Dieser Beschleuniger-Ring verkürzt die Aufwärmphase des Kochers, also die Zeit bis zur Zündung der Brennerdüsen, erheblich.

Für den Bau des Dosenkochers benötigen Sie folgendes Werkzeug: einen Filzstift, eine Schere, ein scharfes Cutter-Messer, eine große Halbrundfeile (oder einen Kreisschneider), eine kleine Rundfeile, etwas Sandpapier, ein dickes Buch und einen Pinnwand-Pin (oder einen Mini-Handbohrer mit 0,8 bis 1,0 Millimeter).

Das Baumaterial

Das Gehäuse des Dosenkochers entsteht aus zwei Aluminium-Getränkedosen mit einem Durchmesser von jeweils 53 Millimetern. Diese schmalen Dosen sind im Getränkehandel mit einem Volumen von 200 oder 250 Millilitern erhältlich. Dosen mit 250 Milliliter werden meist für Energydrinks verwendet, Dosen mit 200 Milliliter für Prosecco.

Tipp: Der Prosecco schmeckt besser und die Dosen sind oft pfandfrei.

Die innere Wand des Dosenkochers entsteht aus einer 150 Milliliter großen Deo-Dose mit 45 Millimetern Durchmesser. Im Handel sind derartige Dosen beispielsweise von Nivea erhältlich.

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Wichtig: Die verwendeten Dosen müssen aus Aluminium sein. Die Dosen sind meist auch entsprechend gekennzeichnet. Im Zweifelsfall hilft der Magnet-Test: An Dosen aus Weißblech haftet der Magnet, bei Aluminium-Dosen tut er dies nicht.

Kocherboden zuschneiden

Der Boden des Dosenkochers wird aus dem Boden einer Getränkedose gefertigt. Dazu trennen Sie den Dosenboden auf einer Höhe von 35 Millimetern ab. Am leichtesten geht das, wenn Sie zuvor mit einer Cutter-Klinge eine Reiß-Linie anzeichnen.

Die Cutter-Klinge legen Sie dabei in Höhe von 35 Millimetern in ein dickes Buch. Dann klappen Sie das Buch zu, drücken von oben auf den Buchdeckel und drehen die Dose mehrfach an der Cutter-Klinge entlang.

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Wer den Dosenkocher mit einem (optionalen) Beschleuniger-Ring versehen möchte, der sollte nun auch diesen Ring mit Reiß-Linien anzeichnen. Dazu stellen Sie die Dose auf den Kopf und zeichnen zwei weitere Reiß-Linien im Abstand von 25 Millimetern an.

Sobald die Reiß-Linien angezeichnet sind, schneiden Sie die Dose mit dem Cutter in der Mitte auseinander. Trennen Sie mit der Schere das überstehende Aluminium so weit ab, bis zur Reiß-Linie etwa 10 bis 15 Millimeter verbleiben. Dann schneiden Sie das Aluminium schräg bis zur Reiß-Linie an und reißen den nicht benötigten Teil vorsichtig entlang der angezeichneten Linie ab.

Sollten grobe Unebenheiten entlang der Reiß-Kante entstehen, dann lassen sich diese mit der Schere leicht begradigen. Anschließend entgraten Sie die Reiß-Kante mit feinem Sandpapier. In gleicher Weise bearbeiten Sie den Beschleuniger-Ring.

Brennerloch ausschneiden

Aus dem Boden der zweiten Getränkedose fertigen Sie das Oberteil der Dosenkochers. Bevor Sie den unteren Teil der Dose abtrennen, schneiden Sie allerdings erst einmal das Brennerloch aus und bohren die Brennerdüsen.

Um das Brennerloch des Dosenkochers zu formen, verwenden Sie idealerweise einen Kreisschneider. Wenn Sie solch ein Werkzeug nicht besitzen, dann schneiden Sie den Boden der Getränkedose einfach kreuzweise ein und entfernen die verbleibenden Aluminium-Dreiecke. Verwenden Sie anschließend eine Halbrundfeile, um das entstandene Loch bis hin zur Nut-Kante des Dosenbodens abzurunden. Schließlich entgraten Sie auch hier die Aluminium-Kante mit feinem Sandpapier.

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Brennerdüsen bohren

Die Brennerdüsen zeichnen Sie mit zunächst einem Filzstift an. Da unser Dosenkocher 16 Brennerdüsen haben soll, verwenden Sie dazu eine Kreisschablone mit 16 Teilstücken. Eine derartige Schablone finden Sie beispielsweise bei Zenstoves.net als GIF- oder PDF-Datei zum Ausdrucken.

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Sobald Sie alle Brennerdüsen angezeichnet haben, verwenden Sie einen Pinnwand-Pin und stechen die Brennerdüsen. Ein kleiner Hammer erleichtert Ihnen diesen Arbeitsschritt. Noch sauberer werden die Brennerdüsen, wenn Sie stattdessen einen entsprechend großen Mini-Handbohrer (0,8 bis 1,0 Millimeter) aus dem Modellbaubedarf verwenden.

Sind alle Brennerdüsen gebohrt, dann trennen Sie den unteren Teil der Dose - wie oben beschrieben - auf einer Höhe von 30 Millimetern ab und entgraten die entstehende Kante mit Sandpapier.

Innenwand zuschneiden und weiten

Für die Innenwand des Dosenkochers verwenden Sie einen 35 Millimeter breiten Aluminium-Ring, den Sie aus der Deo-Dose herausschneiden. Wer keinen kleinen Rohrschneider besitzt, der kann auch diese Schnitte mit einem Buch und einer Cutter-Klinge machen. Aufgrund der größeren Materialstärke lässt sich das Aluminium allerdings nicht reißen. Stattdessen drehen Sie die Dose solange an der Cutter-Klinge entlang, bis sie durchtrennt wird.

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Nachdem Sie die Schnittkanten mit Sandpapier entgratet haben, müssen Sie den oberen und unteren Rand des Alu-Rings etwas weiten, damit er exakt in die Nut des Getränkedosenbodens passt.

Dazu verwenden Sie beispielsweise eine Sprühdose mit etwas größerem Durchmesser. Stülpen Sie diese Sprühdose kopfüber in den Alu-Ring und hauen Sie mehrfach leicht auf den Dosenboden, um den Ring zu weiten und in den Getränkedosenboden einzupassen.

Innenwand anpassen

Auf einer Seite des Alu-Rings setzen Sie nun mit dem Filzstift und der Kreisschablone drei Markierungen in gleichem Abstand. Verwenden Sie dann eine kleine Rundfeile, um an den drei Markierungen jeweils einen kleinen Ausschnitt auszufeilen.

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Diese drei Ausschnitte sorgen später dafür, dass der Spiritus aus dem Brennerraum in den Hohlraum zwischen der inneren und der äußeren Wand des Dosenkochers gelangen kann. Ob die Ausschnitte bereits groß genug sind, überprüfen Sie, indem Sie den Ring in den unteren Gehäuseteil des Dosenkochers einsetzen.

Beschleuniger-Ring zuschneiden und formen

Wenn Sie im ersten Arbeitsschritt einen 25 Millimeter breiten Alu-Streifen für den (optionalen) Beschleuniger-Ring erstellt haben, dann legen Sie diesen Ring nun auf die Kreisschablone und setzen mit dem Filzstift acht Markierungen in gleichem Abstand.

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An den markierten Stellen biegen Sie den Alu-Ring ein wenig über den Rücken der Cutter-Klinge, bis er eine gleichmäßige Wolken-/Blumen-Form hat. Den fertig gebogenen Beschleuniger-Ring stülpen Sie dann über das Bauteil für die Innenwand des Dosenkochers.

Dosenkocher zusammenbauen

Jetzt kommt der schwierigste Arbeitsschritt - der finale Zusammenbau des Dosenkochers. Setzen Sie zunächst die Innenwand in den Kocherboden ein. Achten Sie darauf, dass die Innenwand auch wirklich in der Nut des Dosenbodens sitzt.

Nun müssen Sie nur noch das Oberteil des Dosenkochers über den Kocherboden stülpen. Dabei ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt. Hilfreich ist es, wenn Sie das Oberteil zuvor mit dem Dosenboden einer noch vollen Getränkedose ein wenig weiten. Zudem ist es ratsam, den Rand des Kocheroberteils mit einem Feuerzeug zu erhitzen.

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Sobald das Oberteil auf dem Unterteil des Dosenkochers sitzt, sollten Sie noch einmal den korrekten Sitz der Innenwand prüfen. Pressen Sie dann die beiden Kocherhälften fest zusammen - auch hier hilft ein wenig Hitze.

Der Dosenkocher ist nun fertig. Für einen ersten Testlauf empfehlen sich 15 bis 20 Milliliter Spiritus. Sollte der Kocher nicht auf Anhieb korrekt funktionieren, dann lässt er sich durch Überstülpen einer Tasse leicht löschen. Anschließend sollten Sie noch einmal prüfen, ob die beiden Kocherhälften ausreichend fest miteinander verpresst sind. Gegebenenfalls ist es auch hilfreich, die Brennerdüsen noch einmal mit dem Pinnwand-Pin nachzustechen.

Sobald der Dosenkocher zufriedenstellend funktioniert, sollten Sie abschließend noch einmal alle Kanten prüfen und gegebenenfalls erneut mit Sandpapier nachschleifen.

Dosenkocher testen

Als grobe Anhaltspunkte für Vergleiche mit anderen Spiritusbrennern oder nachgebauten Dosenkochern können die folgenden Mittelwerte dienen. Sie stammen aus drei Testläufen mit je 500 Millilitern Wasser und 20 Millilitern Spiritus unter „Küchenbedingungen“.

Die Brennerdüsen des Kochers zünden 00:29 Min.
Das Wasser erreicht den Siedepunkt 06:02 Min.
Das Wasser kocht sprudelnd 06:39 Min.
Die Brennerdüsen des Kochers erlöschen 07:24 Min.
Die Flamme des Dosenkochers erlischt 07:29 Min.

Die Testläufe fanden in einem geschlossenen Raum auf einer Höhe von rund 520 Metern über nN und bei einer Raumtemperatur von etwa 21° C statt. Als Topf kam ein 750 Milliliter großer Titan-Topf von Esbit zum Einsatz, der Abstand zwischen Topfboden und Brenner betrug 29 Millimeter. Der Topf wurde mit Deckel aber ohne Windschutz sofort nach dem Entzünden des Dosenkochers auf den Topfständer aufgesetzt.

Ein Dosenkocher nach dem Trangia-Prinzip (Open Jet Stove) ist leicht und effizientDer Dosenkocher hat eine stabile Doppelwand-Konstruktion

Zudem wurde je ein Testlauf mit 1 Liter Wasser und 30 beziehungsweise 40 Millilitern Spiritus durchgeführt. Die Aufwärmphase des Dosenkocher erhöhte sich dabei auf 00:55 beziehungsweise 02:02 Minuten. Unter den oben genannten Bedingungen reichten 30 Milliliter Spiritus bei Verwendung eines 2 Quart (1,85 L) großen Aluminium-Topfes von Open Country mit Deckel gerade so, um einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen.